von Studienrätin » Montag 19. Januar 2009, 17:02
Grüß Gott aus Bayern!
Mit Interesse verfolge ich seit einiger Zeit diesen Thread.
Hingewiesen wurde ich dadurch auf den "Autowahn" von Jung-Stilling bzw. seinem Dolmetsch "Freimund Biederwacker". Zu bedauern ist, daß die vielen Anregungen daraus nicht weiterverfolgt wurden; etwa die Deutung der ziellosen Herumfahrerei als vergebliche Suche nach Gott.
Nun hat sich aber die Aussprache dem Thema "Frauenpriestertum" zugeneigt.
Jung-Stilling bzw. sein Sprachrohr "Achtnicht Ihrenhohn" solten hier jedoch ganz klar verstanden werden!
Es handelt sich nicht um Priestertum der Frau, wie wir es in katholischem Verständnis unterstellen.
Vielmehr geht die "nachtodliche Belehrung" vom "allgemeinen Priestertum" aus und lehnt jede Sakramentalität des Priesterberufs ab. Sie sieht vielmehr darin nur eine im Zuge der Arbeitsteilung hervorgegangene Schicht von Amtsträgern.
Hier die wesentlichen Aussagen:
Jeder Christ hat priesterlichen Auftrag
Zuvörderst also, ob als Stand
Die Priesterschaft von GOtt ernannt?
Die Antwort ist ein klares 'nein'!
Das Priestertum ist allgemein
Seitdem bei uns erschienen ist
Als Heiland GOtt in JEsu CHrist,
Der jeden, so getauft auf IHn,
Den Rang des Priesters hat verliehn.
Denn: ohne Mittler kann man beten,
Mit GOtt stracks in Verbindung treten,
Der jedes Bitten stets nimmt wahr:
Direkt, sogleich, unmittelbar.10
Berufen und verpflichtet hat
Der HErr den Christ an SEiner Statt,
In dieser Welt SEin Wort zu säen,
Geschwistern stetsfort beizustehen
In ihren Nöten, ihren Sorgen,
So dass in Liebe sie geborgen.
Denn keiner lebt für sich allein:
Er muss dem andren Stütze sein.11
Berufspriestertum praktisch unumgänglich
Nicht unzulässig ist es zwar,
Dass welche bieten ganz sich dar –
Beruflich sind zum Dienst bestellt –
Und dafür dann erhalten Geld.
Doch stark wächst hierbei die Gefahr,
Dass manche sich drum ganz und gar
Von ihren Pflichten ledig wähnen,
Weil Unterhalt sie zahlen jenen.
Die fest bezahlte Diener-Schicht
Gewiss der Mehrheit Wunsch entspricht.
Auch sehe wohl den Vorteil ich,
Den Arbeits-Teilung bringt mit sich.
Es wäre töricht, zu verkennen,
Dass, wo Berufe sich zertrennen,
Das Können und die Fertigkeit
Vertiefen rasch sich mit der Zeit.12
Dem Bruder, der zum Trost beflissen,
Gebricht es einfach oft an Wissen.
Die Seelenpfleger, Stundenhalter13
Gewählt reihum nach ihrem Alter
In Kreisen meines Heimatlandes –
Oft Leute auch des untren Standes –
Sind meist nicht fähig und beschlagen,
Was sie dem Bruder möchten sagen
Rein sprachlich auch hervorzubringen,
Weshalb ihr Zuspruch muss misslingen.14
Das 'Einerseits' und 'Andrerseits'
Erscheint euch sicher als Gespreiz!
Ihr habt, Herr Achtnicht, recht darin:
Ich kehre drum zum Anbeginn.
Ein Priester-Stand bass widerspricht
Der JEsus-Botschaft; es bleibt Pflicht
Für j e d e n , der getauft in CHrist
Dass er des Nächsten Priester ist.
Aus Gründen doch der Effizienz,
Durchdachter Nutzung des Talents15
Als unbedenklich ich es seh,
Wenn Priestertum wird zum Metier.
Sukzession kann den HEiligen GEIst nicht ersetzen
Mit dieser Antwort hab ich schon
Zurückgewiesen Sukzession,
Die JEsus weder heischt noch will16
Und widerspräche ja auch schrill
Dem HEilgen GEist, den GOtt schenkt frei,
Und den man zaubert nicht herbei
Mit irgendwelchen frommen Riten:
Geist GOttes lässt sich nie gebieten!
Nutzen der Priesterweihe fraglich
Die Priester-Weihe ist ja letzt
Im Grund auf die Idee gesetzt,
Die Gnade GOttes lässt sich zwingen:
Durch äussre Zeichen so bedingen.
Die Zeichen sind ganz sicher richtig,
In vielen Fällen auch sehr wichtig,
Wobei an JEsu Vorbild auch
Ich kurz nur zu erinnern brauch:
Denkt an die Jordantaufe ihr,
Ans letzte Abendmahl auch hier.
Nur sollte man doch nicht vergessen,
Dass stets es liegt ganz im Ermessen
Des HErrn, ob SEine Gnade ER
Bei einer Segnung auch gewähr.
Ein Amts-Gelöbnis feierlich
Erachte angemessen ich;
Von mir aus Auflegung der Hand,
Wenn darin wird nicht mehr erkannt,
Als Einführung ins Priester-Amt
Durch die Gemeinde insgesamt.
Einzelheiten der Amtseinsetzung der Priester
Ihr wollt auch sicher hören jetzt,
Wie Pfarrer in ihr Amt gesetzt?
Dies eine Frage, Achtnicht, ist,
Die nach dem Zeitgeist sich bemisst.
Gemeinden muss es stehen frei,
Was beste Lösung für sie sei
Im Rahmen dessen, was Synoden
Vereint an Laufbahn-Regeln boten.
Als Beispiel gern ich solches nehme
Für kirchen-praktische Probleme.
Was gut war früher, eine Zier,
Kann heut schon überholt sein hier.
Ob Amts-Einsetzung nur auf Zeit,
Ob Haupt-Beruf, ob Teil-Arbeit:
Ob nur auf kleine Gruppen hin
Die Seelen-Pflege bringt Gewinn;
Ob grosse Sprengel besser sind,
Zentral man Vorteil mehr gewinnt;
Ob Pfarrer sich darauf beschränken,
Bestimmten Gruppen zuzuwenden,
Den Kranken etwa, alten Leuten,
Die ganz speziell sie nun betreuten:
Dies alles lässt sich bloss entscheiden
Aufgrund des Zustands in den Zeiten.
Drum ist es falsch, wenn e i n e Form
Für allzeit wird erklärt zur Norm.
Es wäre töricht ohne Frage,
Wenn Lösungen zu meiner Tage –
Geprägt durch Pferde-Post und Wissen,
Das tief noch lag in Finsternissen –
Man überträgt von A bis Zett
Aufs Jetzt, bestimmt durchs Internet....
Beachtet werden sollte hier auch die Stellung von Jung-Stilling bzw. "Achtnicht Ihrenhohn" zur apostolischen Sukzession, die als entbehrlich, überflüssig angesehen wird.
Zusammenfassend: hier wird das Priestertum (ob Mann oder Frau) von Grund auf anders gesehen wie im katholischen Denken -- oder zumindest im Mainstream des katholischen Denkens.
Viele Grüße, Studienrätin.